Ins Pferd hineinfühlen

Die "Sitzschule nach Franklin mit Simulationen & Hanna-Somatics-Session", also einer Weiterentwicklung der Feldenkrais-Methode, war der erste Halbtageskurs, den Anette Jung bei uns anbot. Nicht nur frühere Teilnehmer ihrer Einzelstunden waren mit Begeisterung dabei - auch neue Teilnehmer konnte sie mit dem lehr- und erkenntnisreichen Kurs gewinnen, der gleich doppelt stattfand: Ein Halbtageskurs am Vor- und einer am Nachmittag.

Der Ablauf war für beide Kurse der gleiche: Los ging es ganz ohne Pferd und am Boden. Die Aufgabe: Sich ins Pferd hineinfühlen. Nicht über den direkten Umgang mit den großen Vierbeinern oder den Sitz im Sattel - das kam dann erst später im Kursverlauf dazu - sondern mit einem Gebiss und Zügeln in der Hand: Für die Teilnehmer gab es verschiedene Übungen, um das Gespür in den Händen zu verbessern und herauszufinden, wie sich das Pferd wohl fühlen muss, wenn die Einwirkung der Hände nicht so ist, wie sie sein soll - und was genau eine sanfte Zügeleinwirkung denn tatsächlich ist.

 

Das sorgte für so viele erstaunte Gesichter und begeisterte Teilnehmer, dass es fast unnötig erschien, die Vierbeiner überhaupt noch in die Halle zu holen. Die hatten aber sowieso noch etwas länger Pause: Nach dem Ausprobieren mit Gebissen und Zügeln ging es weiter mit einer Hanna-Somatics-Session. Das ist eine Weiterentwicklung der Feldenkrais-Methode durch den Körpertherapeuten Dr. Thomas Hanna. Mit dieser Methode werden zunächst falsche Haltungs- und Bewegungsmuster festgestellt. Durch systematische, koordinierte Streckungen werden die ständig unbewusst angespannten Muskeln, die zu den Fehlhaltungen geführt haben, langsam wieder entspannt und falsche Funktionsmuster durch richtige ersetzt. Die Übungen dienen gleichzeitig der Überwindung der "senso-motorischen Amnesie": auf diese Weise wird das Gehirn daran erinnert, wie sich Muskeln anfühlen, die lange nicht mehr eingesetzt wurden.

 

Bestens vorbereitet ging es für die Teilnehmer im Anschluss dann in Kleingruppen auf den Pferderücken. Beim Reiten kamen zusätzlich die Hilfsmittel der Franklin-Methode zum Einsatz: Gearbeitet wurde mit Bällen und Rollen, mit Schwämmen und Elastikbändern sowie mit besonderen Zügeln, die den Teilnehmern die sanfte Anlehnung erleichtern sollten. Dabei schaute sich Anette zu Beginn jeder Reit-Einheit alle Reiter erst einmal an. Bei denen, die schon zuvor in ihren Kursen auf dem Pferd gesessen hatte, konnte sie auf Bekanntem aufbauen, bei den anderen Teilnehmern ging es nach einem ersten Eindruck daran, den Sitz mit ungewöhnlichen Hilfsmitteln zu optimieren.

 

Dabei suchte Anette aus ihrem Fundus an Material für jeden das heraus, was am meisten helfen könnte - spornte die Reiter aber dazu an, sich auf ihr Gefühl und ihren Körper zu konzentrieren und Rückmeldung zu geben, wie sich das jeweilige Hilfsmittel tatsächlich auf sie auswirkte. Das kann nämlich bei jedem Reiter ganz unterschiedlich sein, so dass nicht jeder Ball, jede Rolle oder jeder Schwamm auch für jeden geeignet ist, selbst wenn die Sitzprobleme oft ähnlich sind. Während manche also immer wieder das "Zubehör" wechselten, blieben andere über die gesamte Reitstunden hinweg bei den gleichen Hilfsmitteln - bevor Anette zum Ende der Stunde nach und nach alle Hilfsmittel der Reihe nach von Pferd und Reiter entfernte und die Reiter zum Abschluss noch einmal ganz normal und ohne zusätzliche Schwämme oder Bänder reiten ließ. Auch hier ging es noch einmal ums Gefühl - das Hineinfühlen in den eigenen Körper und den Sitz auf dem Pferd und natürlich die Herausforderung, all das, was die Muskeln mit Hilfsmitteln "gelernt" hatten, mitzunehmen und auch ohne Hilfsmittel fortzuführen.

 

Viele weitere Fotos vom Kurs gibt es auf unserer Facebook-Seite.

 

Mit Anette Jung ist in diesem Jahr noch ein weiterer Kurs geplant - für den Lehrgang "Stangenarbeit" am 17. Oktober könnt ihr euch jetzt anmelden. Da geht es zwar nicht vornehmlich um den Sitz des Reiters, sondern darum, eine Vielzahl an kreativ ausgelegten Stangen zu überwinden - auch der Sitz des Reiters verbessert sich dabei aber meist deutlich. Da sich Pferd und Reiter so sehr auf die Wege, Abstände und Stangen konzentrieren, laufen die Pferde meist fleißiger vorwärts und sorgen so dafür, dass der Reiter nicht nur weniger Arbeit hat, sondern auch leichter sitzen kann.

 

Ein Video des letzten Stangenarbeits-Kurses und weitere Videos zu vielen anderen Kursthemen findet ihr in unserem YouTube-Kanal. Falls ihr Interesse daran habt, wie abwechslungsreich unser Angebot ist, und mal schauen möchtet, was euch interessieren könnte, dann schaut doch mal vorbei. Vielleicht weckt das in euch ja auch Lust, selbst mal bei einem Lehrgang dabei zu sein - alle Termine findet ihr in unserem Kursprogramm und wir sind schon jetzt fleißig dabei, neue Kurstermine für das Jahr 2022 zu planen. 

 

Ein großes Dankeschön an unsere mutigen Vereinsmitglieder, die es gewagt haben, etwas Neues in unserem Kursprogramm auszuprobieren, und die mit so viel Begeisterung bei der Sache waren: Danke an Aline, Alica, Alicia, Hannah, Kristin, Melanie, Melanie, Melina und Vivien. Wie immer geht auch ein ganz großes Dankeschön an unsere wunderbaren Schulpferde - diesmal an Anoki, Canella, Cesar, Emil, Rueda und Vin. Vielen Dank auch an Anette für diesen lehr- und erkenntnisreichen Kurs, der bei allen Teilnehmern große Begeisterung geweckt hat und an dem alle möglichst bald wieder teilnehmen möchten.

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