Von Bällen und Bändern

Selten gab es vor einem Lehrgang so viel Hin und Her: Corona-Einschränkungen, ein strenges Hygienekonzept und gleich mehrere krankheitsbedingte Absagen von Teilnehmern, die sich für den Kurs angemeldet hatten. Fast alle Plätze konnten aber neu besetzt werden - das Interesse war, wie schon bei den vergangenen Terminen, groß: Neun Reitschüler übten bei der "Sitzschule nach der Franklin-Methode" mit Anette Jung den besseren Sitz.

Für Anette war der Kurs eine Mischung aus bekannten und neuen Gesichtern - und wir freuen uns sehr, dass unser Kursprogramm immer größere Kreise zieht und immer mehr Reitschüler aus unserem Verein anlockt. Am Kurstermin war es zwar nicht mehr ganz so kalt wie noch eine Woche zuvor bei der "Dressurarbeit mit Leichtigkeit" mit Karen Krause, aber trotzdem sehr winterlich - die meisten Teilnehmer waren froh, nach ihrer Einzelstunde schnell wieder ins Warme zurückkehren zu können. Kursleiterin Anette dagegen hatte sich warm angezogen, um den Tag in der Reithalle gut zu überstehen: Neun Einzelstunden reihten sich mit nur einer kurzen Mittagspause aneinander. Dass der zehnte und letzte Kursplatz nach einer kurzfristigen Absage nicht neu besetzt werden konnte, war bei den Temperaturen gar nicht schlimm.

 

Die "Franklin-Methode" ist als Sitzschule für Reiter mittlerweile sehr bekannt und weit verbreitet - gearbeitet wird normalerweise mit Bällen in verschiedenen Größen, die unter dem Hintern, unter den Oberschenkeln, unter den Armen oder an anderer Stelle dafür sorgen sollen, dass der Reiter kräftig durchgeschüttelt wird. Die hatte auch Anette dabei, allerdings kamen sie nur selten zum Einsatz. Viel häufiger arbeitete sie mit unterschiedlichen Schwämmen und Fitnessbändern, um mindestens genauso beeindruckende Effekte zu erzielen: ein lockeres und leichtes Mitschwingen des Reiters und ein deutlich verbessertes Einfühlen in die Bewegungen des Pferdes. Und auch den Vierbeinern war sehr deutlich anzumerken, wenn der Reiter wirklich locker wurde.

 

Das größte Geheimnis - und die größte Schwierigkeit - ist es beim Reiten schließlich, nicht nur geschmeidig auf die Bewegungen des Pferdes einzugehen, sondern dabei auch noch die Körperspannung zu behalten - ohne zu verkrampfen, zu verklemmen oder aus Versehen falsche Reiterhilfen zu geben. Und das, wo man eigentlich alles gleichzeitig machen muss: Gewichtshilfen, Schenkelhilfen und Zügelhilfen müssen dabei auch noch koordiniert werden. Vieles davon widerspricht unseren menschlichen Reflexen - wo man doch eher das Becken verspannt, wenn es holpriger wird, oder sich aus Versehen an den Zügeln festhält, wenn das Pferd eine schnellere Gangart einschlägt. Höchste Zeit also, das Bewegungsgedächtnis auf Null zu setzen...

 

Das Bewegungsgedächtnis ist unser Speicher für Bewegungen und motorische Fertigkeiten. Viele Bewegungen haben wir uns über lange Zeit angewöhnt und müssen darüber gar nicht mehr nachdenken. Und dann wiederum gibt es die Bewegungen, die man eher selten macht - oder vielleicht tatsächlich in dieser Form noch nie gemacht hat. Die müssen erst einmal abgespeichert werden. Das funktioniert nicht in einer einzelnen Reitstunde, sondern muss immer wiederholt werden - der wichtigste Schritt in diese Richtung ist es aber, falsche Bewegungsmuster erst einmal aus dem Bewegungsgedächtnis zu löschen. Dabei helfen Bälle, Schwämme und Fitnessbänder, die beim Reiten an verschiedenen Stellen eingesetzt werden.

 

Das Sitzen auf einem Schwamm zum Beispiel macht nicht nur die vielleicht ein wenig holprige Bewegung des Pferderückens weicher, sondern entspannt auch verkrampfte Muskulatur - so dass es dem Reiter nach einiger Zeit deutlich leichter fällt, locker den Pferdebewegungen zu folgen. Kleine Schwämme unter den Oberschenkeln können ein Klemmen verhindern, unter den Armen halten sie diese ruhig. Auch Fitnessbänder sind - je nachdem, wo die Schwächen des jeweiligen Reiters liegen - vielseitig und von den Händen (für eine ruhigere Handhaltung) bis zu den Füßen (um das Bein in die richtige Position zu bringen und nach unten schwingen zu lassen) einsetzbar. Das müssen natürlich auch die Pferde erst mal mitmachen (glücklicherweise sind unsere Schulpferde da sehr entspannt) - aber auch die Vierbeiner merken schnell, wie viel angenehmer es wird, den Zweibeiner auf ihrem Rücken zu tragen, wenn dieser seinen Sitz verbessert.

 

Anette nahm sich im Einzelunterricht die Zeit, sich jedes Pferd-Reiter-Paar erst einmal ein paar Minuten ganz ohne Hilfsmittel in verschiedenen Gangarten anzuschauen. Auch bei Reitern, die sie schon aus vorherigen Kursen kannte, kommt es schließlich auch ein wenig auf die Tagesform an - auch auf die des Pferdes, das bei manchen Teilnehmern in diesem Kurs auch ein anderes war als beim letzten Mal. Und nicht zuletzt hat ja auch jedes Pferd unterschiedliche Bewegungen, so dass es für die Reiter je nach Pferd verschiedene Herausforderungen zu bewältigen gibt. Von allen Teilnehmern hatte Anette aber jeweils nach ein paar Minuten ein gutes Bild und legte mit verschiedenen Hilfsmitteln los.

 

Viele weitere Fotos vom Kurs gibt es auf unserer Facebook-Seite.

 

Die neun Teilnehmer stiegen auch diesmal wieder mit ganz neuen Erkenntnissen und einem deutlich verbesserten Sitzgefühl vom Pferd - danke an Anna-Lena, Bea, Bianca, Hannah, Julika, Melanie, Melanie, Verena und Vivien fürs Mitmachen und euer Interesse! Viele von euch sind ja "Wiederholungstäter" in unserem Kursprogramm und wir freuen uns sehr darüber, dass ihr euch immer wieder für die Teilnahme an unseren Lehrgängen begeistert - aber auch diesmal ist es wieder schön, dass auch neue Gesichter hinzugekommen sind und unser Kursprogramm ausprobiert haben. Wir hoffen, ihr konntet viel aus dem Kurs mitnehmen! 

 

Danke auch an unsere großartigen Schulpferde, die toll mitgemacht haben - diesmal waren Anoki, Cesar, Emil, Marvin, Riko, Rueda und Vin im Einsatz. Ein ganz besonderes Dankeschön geht auch diesmal wieder an Anette für den lehr- und erkenntnisreichen Tag - wir freuen uns sehr, dass sie uns in diesem Jahr noch mehrfach besuchen kommt. Aktuell anmelden könnt ihr euch zum Beispiel für ihren Kurs "Stangenarbeit" am 21. März. Für den 29. August ist noch einmal eine Sitzschule geplant, diesmal als Halbtageskurs, der Übungen vom Boden mit Übungen im Sattel verbindet. Die Anmeldung hierfür schalten wir, wie bei all unseren Kursen, etwa drei Monate vor dem Kurstermin frei. Im Gespräch sind wir mit Anette außerdem noch über einzelne Termine, an denen bei ihr Einzelreitstunden gebucht werden können.

 

Auch bei anderen Trainern gibt's in den nächsten Wochen noch tolle Fortbildungen und Kurse - im März zum Beispiel die "Dressurarbeit mit Leichtigkeit" bei Karen Krause, im April den "Kombi-Kurs Bodenarbeit und Reiten" mit Anja Erckel oder den Kurs "Bodenarbeit: Kommunikation am Boden" bei Iris Kleber, die uns zum ersten Mal besuchen wird und bei dem eine Teilnahme an einem Halbtageskurs Theorie oder einem Tageskurs mit Theorie und Praxis möglich ist. Zu fast allen für das Jahr 2021 geplanten Kursen findet ihr in unserem Kursprogramm nicht nur die Termine, sondern auch ausführliche Informationen - wir würden uns freuen, wenn auch für euch etwas passendes dabei wäre!

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