Ein Tag in Blau und Gelb

Blaue und gelbe Gassen gibt es bei uns im Verein schon lange und sie werden für die verschiedensten Zwecke eingesetzt. Ursprünglich entwickelt hat die blau-gelbe Trainingsmethode Michael Geitner, bekannt ist sie unter dem Namen "Dualaktivierung". Zum ersten Mal war dieses spannende Thema Teil unseres Lehrgangsprogramms - am Sonntag besuchte uns die lizensierte 3-Sterne-Trainerin Gaby Jonethal zum Tageskurs.

Die schwierigste Entscheidung mussten die Teilnehmer dabei schon bei der Anmeldung für den Kurs treffen: Für jeden waren zwei aktive Trainingseinheiten vorgesehen. Dabei konnte man sich allerdings individuell aussuchen, ob man diese vom Boden oder vom Sattel aus absolvieren wollte. Wer sich für die Arbeit vom Boden entschied, hatte zusätzlich noch die Wahl zwischen dem Longieren mit einer Longe oder der Arbeit mit zwei Longen in Form des "Longe-Walking", das dem Fahren vom Boden ähnelt.

 

Bevor es dann soweit war, stieg Gaby ab halb zehn morgens erst mal mit einer umfangreichen und sehr informativen Theorie-Einheit ein. Sie erläuterte nicht nur, was sich hinter dem Begriff "Dual-Aktivierung" verbirgt, sondern erklärte auch, wie sich diese Trainingsmethode auf den Pferdekörper und vor allem auf das Gehirn des Pferdes auswirkt. Mit anschaulichen Beispielen brachte sie die Kursteilnehmer dazu, zu sehen und zu denken wie ein Pferd - und so schon vor Beginn der praktischen Übungen viel besser zu verstehen, wie man als Zweibeiner dem Pferd gegenüber souverän agiert und reagiert.

 

Ein besonders wichtiges Thema, das sie im Rahmen der Theorie-Einheit ansprach, hat gar nichts mit der Trainingsmethode an sich zu tun - sondern grundsätzlich mit dem Verhalten von Reitern bei jedem Besuch im Stall. Und genau deshalb wollen wir ihren Hinweis hier noch einmal aufgreifen - und an unseren Schulbetrieb anpassen: Die Arbeit mit dem Pferd erfordert jede Menge Übung, ein geschultes Auge für die Körpersprache und jede Menge Konzentration. Wer nach einem stressigen Tag auf der Arbeit, einem anstregenden Tag in der Schule oder mit schlechter Laune nach einem privaten Streit oder einer schlechten Nachricht in den Stall kommt, um sich dort "ablenken" zu lassen, sollte weder von sich noch vom Pferd zu viel erwarten und erst einmal langsam beginnen.


Pferde haben sehr feine "Antennen" für unsere Körpersprache - sie merken uns unsere Laune sofort an und erkennen, ob wir konzentriert bei der Sache sind oder nicht. Oft liegt ihnen zwar, unabhängig von unserer Laune, viel dran, es uns recht zu machen - trotzdem wird unsere Körpersprache ungenau und wir geben falsche Signale und Hilfen. Das führt dazu, dass das Pferd uns nicht richtig verstehen kann - und Übungen, die wir uns vorgenommen haben, nicht klappen. Die Folge: Der Reiter ist frustriert, das wiederum wirkt sich aufs Pferd aus und am Ende verlassen alle die Reithalle unglücklich. Und so soll es ja wirklich nicht sein, oder?

 

Wenn ihr als Reiter noch nicht ganz fit seid, fangt mit "kleineren" Übungen und Dingen an, von denen ihr wisst, dass sie gut funktionieren. Das macht euch zufriedener, es macht das Pferd zufriedener und motiverter und sorgt dafür, dass ihr den Alltagsstress schnell aus dem Kopf bekommt - und euch vielleicht dann doch noch an die vermeintlich schwierigeren Übungen wagen könnt. Vor allem aber ist es fair dem Pferd gegenüber - denn es kann nichts dafür, dass unser Arbeitstag stressig war. Aber es ist ein Lebewesen und kein Sportgerät und wir sollten an ihm nicht unsere Laune auslassen. Übrigens: Genauso fair ist es, mal ein bisschen langsamer zu machen, wenn das Pferd mal einen schlechten Tag hat - denn genauso wie wir sind die Vierbeiner nicht immer perfekt; wer dies von jeder Reitstunde erwartet, wird nicht nur bitter enttäuscht werden, sondern tut auch dem Sportpartner Pferd Unrecht.

 

Allein für die Theorie-Einheit und die Dinge, die Gaby dort noch einmal in Erinnerung gerufen hat, hat sich die Teilnahme am Kurs gelohnt - aber dann ging es zu ersten praktischen Übungen in die Halle. Während die Pferde den Sonntagmorgen noch für ein kleines Nickerchen nutzten, liefen dort die Zweibeiner im Kreis - beim Versuch, sich gegenseitig mit möglichst feiner Hilfengebung und ständigen Handwechseln gegenseitig zu longieren. Als alle ein gutes Gefühl für die Hilfengebung entwickelt haben, kamen die Vierbeiner ins Spiel. Geübt wurde in Form eines Intervalltrainings jeweils zu zweit. Am Vormittag nahmen alle fünf Kursteilnehmerinnen die Pferde an die Longe. In wenigen Arbeitsintervallen lernten Mensch und Pferd verschiedenste Übungen mit blau-gelben Gassen und Pylonen kennen - und das eine oder andere Pferd musste sich auch erst einmal an die Menge blau-gelber Hilfsmittel gewöhnen, die in der Halle verteilt waren.

 

Bei der Mittagspause und einem gemeinsamen Mittagessen konnte noch einmal über das Gelernte diskutiert und der Nachmittag geplant werden - denn Gaby hatte die Teilnehmer eingeladen, sich für den Nachmittag ganz unabhängig von der ursprünglichen Anmeldung ganz flexibel auszusuchen, wie sie mit ihren jeweiligen Pferden weiterarbeiten wollten. Vier der fünf Teilnehmerinnen entschieden sich, für die weitere Arbeit am Boden zu bleiben und das "Longe-Walking" auszuprobieren, eine Teilnehmerin zog es in den Sattel. Und so ging es frisch gestärkt zurück in die Reithalle. Während manche Pferde die Arbeit mit zwei Longen schon kannten, mussten andere sich erst daran gewöhnen - und das ging mal schneller, mal dauerte es länger und brauchte mehrere Versuche. Nach einem weiteren Intervalltraining vom Boden oder in einem Fall vom Sattel aus war es dann Zeit für Feierabend: Bei Mensch und Pferd ließ die Konzentration deutlich nach bzw. zeigten sich erste Ermüdungserscheinungen.

 

In einer Abschlussbesprechung konnten die Kursteilnehmer noch einmal Fragen stellen und sich ein großes Lob von Kursleiterin Gaby abholen. Das größte Lob hatte sie allerdings für alle Vereinsaktiven parat: Sie lobte die tollen Lern- und Lehrbedingungen auf dem Wiesenhof, das umfangreiche Vereinsangebot, das Engagement der Aktiven und unsere großartigen Vereinspferde - und dem können wir uns nur anschließen: Danke an Anoki, Cesar, Jolie und Oliver, die bei dem Kurs wieder toll mitgemacht und uns viel beigebracht haben! Danke an Hannah, Katrin, Marnie, Melanie und Steffi für ihr Interesse und ihre Kurs-Teilnahme und vor allem vielen Dank an Gaby, die uns ihren Sonntag für diesen sehr lehrreichen Kurs geopfert hat.

 

Abschließend können wir nur sagen: Die "blau-gelbe Arbeit" hat viel Spaß gemacht und wir bleiben gern dran - und vielleicht können wir mit den Fotos vom Kurs, die ihr unten sehen könnt, ja noch den einen oder anderen von euch überzeugen, auch mal dabei zu sein. Sobald es uns zeitlich möglich ist, werden wir auch noch ein kleines Video veröffentlichen - bis dahin findet ihr in den nächsten Tagen weitere Bilder des Kurses auf unserer Facebook-Seite. Wir freuen uns, wenn ihr ein "Gefällt mir" dort lasst!

Weitere spannende Kurs-Themen

Weiter geht es in weniger als zwei Wochen am Sonntag, 16. Februar, mit dem Kurs "Dressurarbeit mit Leichtigkeit". Karen Krause gibt zu diesem Thema erneut Einzelstunden; es ist nur noch ein Kursplatz frei. Anmelden könnt ihr euch außerdem schon für den Kurs "Individuelle Arbeit am Boden und/oder im Sattel", für den uns am 29. März erneut der bekannte Pferdetrainer Luuk Teunissen besucht. Am 26. April steht ein Kurs mit Trainerin B Anja Erckel auf dem Programm - beim "Trailreiten" könnt ihr in eine Western-Disziplin hineinschnuppern. Die aktuell ausgeschriebenen Kurse könnt ihr hier nachlesen, außerdem haben wir für euch eine Terminübersicht aller Kurse und Veranstaltungen (also auch der Termine, die noch nicht ausgeschrieben sind) als PDF-Download zusammengestellt.

Fotos: Dual-Aktivierung

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